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Okt 16

Demografischer Wandel verursacht zusätzliche Kosten in ländlichen Gebieten

Laut einer im September 2013 veröffentlichten Studie des Institute for Advanced Sustainability Studies Potsdam (IASS Potsdam) und des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung stellt der demografische Wandel und der Bevölkerungsrückgang die ländlichen Regionen Deutschlands vor neue Probleme. Vor allem die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der Versorgung verursacht immer mehr Kosten für die Gemeinden und Einwohner.

Studie Vielfalt statt Gleichwertigkeit

Studie Vielfalt statt Gleichwertigkeit

Der im Grundgesetz verankerte Begriff der Gleichwertigkeit setzt eine gleichwertige Versorgung für alle Bewohner Deutschlands voraus, dabei ist es unerheblich, ob diese auf dem Land oder in der Stadt leben. Das Ziel einer Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger, wird aber in diesem konkreten Fall zu einem Problem. Denn die Bevölkerungszahlen in ländlichen Regionen schrumpfen immer weiter, sodass vor allem die Zahl junger Einwohner immer mehr abnimmt. Für die verbliebenen Menschen steigen daher die Kosten für Strom- und Abwasserversorgung, Bildung, Infrastruktur etc., da sie nun auf weniger Menschen umgelegt werden müssen.

Der Grundsatz der Gleichwertigkeit stehe dringend notwendigen Entwicklungen von umsetzbaren Versorgungskonzepten im Weg. Diese Konzepte seien bitter nötig, erklärte Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des IASS Potsdam, heute in Berlin: „ Durch den demografischen Wandel verstärkt sich das Gefälle zwischen städtischen Zentren und ländlichen Gebieten enorm. Diese Unterschiede müssen wir anerkennen, um den richtigen Ordnungsrahmen für das Kleinerwerden aufzustellen.“

Die Studie fordert daher neue  an die Bevölkerungsentwicklung angepasste Raumentwicklungskonzepte:

Da in besagten Gebieten nur noch wenige Menschen und noch weniger junge Menschen leben, sinken Abwasser und Stromverbrauch, sowie die Nutzung der Infrastruktur.  Daher lohnt es sich auch nicht, überdimensionale zentralisierte Abwasserentsorgungsanlagen und Kraftwerke zu betreiben, neue Straßen zu bauen oder den Linienverkehr aufrechtzuerhalten. Vielmehr müssen neue Versorgungskonzepte entwickelt werden, wie zum Beispiel mobile Arztpraxen, flexible Verkehrsmittel  oder Fernschulen. Im Ernstfall müsse die Verwaltung sogar über die Erstellung von Entsiedlungskonzepten für besonders unattraktive und kaum noch bewohnte Dörfer nachdenken.

Des Weiteren bleibt zu hinterfragen, ob der Grundsatz der Gleichwertigkeit den heutigen Gegebenheiten angepasst werden sollte. Auch der Studientitel „Vielfalt statt Gleichwertigkeit“ weist darauf hin, dass dieses Ziel durch die aktuelle Lage eher verhindert als erreicht wird.

Die Studie ist kostenlos abzurufen unter: www.berlin-institut.org/publikationen/studien/vielfalt-statt-gleichwertigkeit


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